Jan 22 2019

Warum sind professionelle Businessfotos so wichtig?

Jeder war schon in dieser Situation: Eine Bewerbung steht an oder man benötigt Businessfotos für die Webseite, Social Media oder Businessplattformen wie Xing, LinkedIn etc. Heutzutage hat jeder eine Kamera in der Hosentasche, doch sollte man wirklich ein Selfie dafür nutzen?

Eine ganz ehrlich gemeinte Antwort: Das muss jeder für sich entscheiden. Wie möchte ich auftreten und was möchte ich meinen Kunden oder dem Unternehmen, bei dem ich mich bewerbe, mit meinem Foto sagen?

 

Bewerbungsfotos sind keine Pflicht

Das AGG (allgemeine Gleichbehandlungsgesetz) aus dem Jahr 2016 soll die Benachteiligung auf Grund ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder anderen Merkmalen verhindern. Daher dürfen Unternehmen keine Bewerbungsfotos mehr verlangen oder auf Grund eines nicht vorhandenen Fotos den Bewerber abweisen.

Doch sollte man genau hinschauen, was in der Stellenausschreibung steht. Manchmal gibt es einen Hinweis, dass ein Foto die Bewerbung doch abrunden würde. Versetzen Sie sich doch einmal in die Lage der Personaler. Würde es Ihnen mit oder ohne Foto leichter fallen, jemanden einzuladen? Und worauf würden Sie achten? Ich unterstütze das AGG und finde es auch sehr wichtig. Mittlerweile gibt es sogar Bewerbungsverfahren, die komplett anonymisiert und rein auf das Können des Bewerbers fokussiert sind.

Gehen wir mal davon aus, dass ein Foto in der Bewerbung keine schlechte Idee ist. Die Auswahl des Fotos sagt schon eine Menge über den Menschen aus. Nun kommen ein paar Dinge, die tatsächlich so schon vorgekommen sind:

  • Selfie auf dem Oktoberfest
  • 10 Jahre altes Passfoto
  • Selfie aus dem letzten Urlaub (inkl. Sonnenbrille)

 

Ich glaube wir sind uns einig, dass das nicht geht. Aber was transportieren all diese Fotos? Ich lese darin “Ich nehme das Unternehmen nicht ernst. Ich bin nicht an einer Stelle interessiert.” Das ist fatal, wenn man sich doch eigentlich auf seinen Traumjob bewerben wollte. Nun ist der Gang zum Fotografen eine gute Idee. Doch kann jeder Fotograf ein gutes Bewerbungsfoto machen und worauf sollte ich bei der Wahl des Fotografen achten?

 

Aus der Masse herausstechen

Ob Businessfoto oder Bewerbungsfoto: man sollte aus der Masse hervortreten. Das gilt auf Businessplattformen sowie auch für Bewerbungen. Außerdem sollte das Foto die Persönlichkeit unterstreichen und auch eine Aussage transportieren. Dabei sind das Styling der Person, die Wahl der Kleidung als auch die Umgebung wichtige Faktoren, die beachtet werden sollten.

Dieses Foto hat eine extreme Dynamik durch die Lamellen des Hintergrundes. Das war eine hölzerne Jalousie eines Gebäudes. Es könnte auch sehr unruhig wirken, doch die positive und entschlossene Pose der Kundin ist ein wichtiger Gegenpol.

 

Am einfachsten ist der Gang ins nächste Fotostudio. Dort steht ein fertiges Setup, mit meist einfarbigen Hintergründen und das Foto ist schnell gemacht und somit hat man innerhalb weniger Stunden ein akzeptables Foto. Auch ich war in solchen Studios und bin jedes Mal enttäuscht herausgekommen. Das Bild spiegelte überhaupt nicht meine Persönlichkeit wieder und selbst Freunde sagten “Das bist nicht du”.

 

 

Ein etwas “anderes” Businessportrait: die Kundin wollte zwar klassische, aber auch Fotos, die herausstechen. Wir sind durch Mannheim gestreift und fanden diese Passage, die farblich perfekt zum Outfit und Styling der Kundin passten. Trotzdem wirkt Foto das seriös, aber auch interessant durch die Farbgebung und den Hintergrund.

 

Indoor vs. Outdoor

Je nach Vorliebe oder Verwendungszweck spielt die Wahl des Ortes eine wichtige Rolle. Die Jahreszeit ist dabei eventuell maßgeblich, aber nicht immer. Ich habe auch schon Businessfotos draußen im Winter gemacht, wenn es eilig war. Ich arbeite grundsätzlich mit Tageslicht, auch Available Light genannt. Mit Reflektoren und Abschattern ergänzt ist es mein Lieblingslicht. Auch arbeite ich gerne mal mit Gegenlicht, was tolle Effekte hervorbringt.

Ein eher untypisches Businessfoto, aber herausstechend durch das untypische Gegenlicht und die sehr weiche und warme Anmutung. Das Grün der Bäume verstärkt den natürlichen Look des Bildes.

 

Aber auch im Innenraum mit großen Fenstern können sehr schöne Fotos entstehen. Sie geben dem Foto Tiefe und sagen, je nach Räumlichkeit, auch etwas über die Person oder das Unternehmen aus. So kann gezielt mit Perspektive und Elementen “gespielt” werden, um dem Foto mehr Leben einzuhauchen.

Dieses Businessfoto für ein Unternehmen ist ein gutes Beispiel für Indoorfotografie. Der Raum wirkt modern und hell, doch das Holzelement zeigt auch Wärme und etwas mehr Gemütlichkeit sowie Naturverbundenheit. Alles andere als ein kühles und technisches Unternehmensportrait.
Naturverbundene Berufe wie die Heilpraxis kann man auch sehr schön mit Portraitfotos in der Natur darstellen. Auch ist die Kleidung hier typisch der Arbeitskleidung nachempfunden, aber in einer Praxisuntypischen Umgebung. Der helle Bildlook unterstreicht die Bildaussage außerdem. Die Pose zeigt eine sympathische und lockere Umgangsform, denn die Arbeit des Heilpraktikers ist eben sehr persönlich und das muss das Menschliche neben dem Fachlichen einfach passen.

Businessfotos sind nicht immer gleich

Bei Business denkt man eben an Anzug, Bluse, Krawatte und möglichst neutrale Hintergründe. Doch viele meiner Kunden sind Freiberufler oder Selbstständige und haben künstlerische Berufe. Da braucht es manchmal etwas mehr Vorbereitung, aber dafür auch maßgeschneiderte Fotos für meine Kunden. Wichtig ist immer: wofür sind die Fotos? Daher ist es keine schlechte Idee, mehrere Aufnahmen in verschiedenen Outfits zu erstellen, damit die Person diese auch flexibel einsetzen kann. Für ein Konzertplakat sind andere Fotos gefragt als für einen wichtigen Vortrag an der Universität.

 

Diese Musiker-Duo brauchte Fotos für Plakate, CD-Cover aber auch für die Internetpräsenz. Bei dem Fotoshooting haben wir deshalb mehrere verschiedene Aufnahmen und Outfits ausprobiert. Dieses ist eines meiner Lieblingsfotos.
Gleiches Duo, andere Location und andere Kleidung. Was vorher seriös, ruhig und nachdenklich erscheint, ist nun modern, jugendlich und rockig. Dieses Foto hat es auf das CD-Cover des Duos geschafft.

Besonders gerne mag ich auch Fotos “bei der Arbeit”. Diese zeigen den Protagonisten in seiner beruflichen Tätigkeit und sollten möglichst ungestellt wirken. Hier ist eine positive Atmosphäre während des Shootings besonders wichtig. Es darf gelacht werden, aber auch ernster zugehen.

Ein Personal Coaching kann sehr anstrengend sein. Doch dieser Kunde arbeitet mit überraschend einfachen aber effektiven Mitteln. Dieser lockere Umgang mit ernsten Themen kommt hier bestens rüber und das Lachen ist nicht gestellt. Durch die zweite Person wirkt die Situation nicht gestellt und glaubwürdig.
Business Coaches sind Impulsgeber. Sie müssen ihre Probanden aktivieren, um das Gelernte umzusetzen. Solche dynamischen Fotos können bei Aufnahmen aus dem Arbeitsalltag entstehen.

 

Styling und Kleidung

Bei vielen Fotoshootings arbeite ich mit Visagisten zusammen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen wirken die Gesichter frischer und die Haare sind ordentlich und “fliegen nicht herum”, aber auch wenn man nicht gewohnt ist, geschminkt zu sein (ja, auch die Männer kommen in die Maske), ist für viele das Endergebnis überraschend positiv. Denn es sieht nicht “geschminkt aus”, sondern natürlich, aber es macht sehr viel mehr aus und erspart mir auch etwas die Hautretusche am Ende. Daher keine falsche Scheu, es lohnt sich wirklich. Meinen Kunden gebe ich direkt Adressen an die Hand oder für größere Shootings organisiere ich jemanden gleich mit.

Die Kleidung ist ein sehr wichtiger Punkt. Sie trägt zum ersten Eindruck bei, den man von einem Menschen hat. Das ist “leider” so, man kann es sich aber auch zu Nutze machen. Es gibt nun einige Ratgeber, was man tragen sollte und was nicht. Ich rate meinen Kunden: Tragen Sie das, worin Sie sich wohl fühlen. Am besten, Sie hatten das Kleidungsstück bereits an, damit es sich nicht “fremd” anfühlt.

Außerdem sollte man immer passend zum Beruf oder zum Unternehmen gekleidet sein. Ich habe mich noch nie mit Blazer und Bluse bei Werbeagenturen beworben und man sieht auch kein Foto in dieser Kleidung auf meiner Webseite. Weil ich nicht so auftrete. Daher darf es, je nach Unternehmen, auch mal legerer sein.

Diese Cellistin wollte neben “seriösen” Fotos auch lockere und entspannte Portraits von sich. Hier stehen Kleidung, Pose und Instrument im starken Kontrast und daher ist es ein so spannendes Künstlerportrait aus dem Bereich der klassischen Musik.

Anzüge oder Kostüme sind für klassische Businessfotos nicht verkehrt. Doch immer wieder werden auch etwas lockerere Fotos verlangt, ohne Krawatte oder nur im Hemd. Möchte man sich aber in einer seriösen Branche behaupten, ist angemessene Kleidung unbedingt notwendig. Diese sollte gepflegt, neuwertig, sauber und knitterfrei sein.

Ein klassisches Porträt das natürlich, aber auch gleichzeitig sympathisch und selbstsicher wirkt. Die kühlen Farben und der technische Hintergrund unterstützen die Bildaussage.

 

Die häufigsten Fehler

Selfies: Wie oben schon erwähnt, stellen Selfies keine guten oder seriösen Fotos zur professionellen Präsentation einer Person dar.

Unpassende, knittrige und schmutzige Kleidung: Zu groß, zu eng, Haare, Staub oder einfach ungebügelt – man sieht, dass die Kleidung nicht sorgfältig gewählt wurde. Achten Sie darauf, dass die Kleidung passt. Zu eng wirkt genauso unpassend wie zu große Kleidung. Weite Kleidung (z.B. keine figurbetonten Blusen und Hemden) tragen auf Fotos zu sehr auf. Es sollte nicht zu eng sein, sonst werden Problemzonen sichtbar, auch wenn vorher keine vorhanden waren. Gebügelt auf einem Bügel ist die beste Transportart zum Shootingort. Vor Ort umziehen ist meist die beste Lösung. Eine Fusselrolle im Gepäck ist auch eine gute Vorbereitung.

Zu alte Fotos: Ich kann hier keine Regel nennen, aber ich würde sagen, man sollte keine Fotos die älter als 5 Jahre sind verwenden. Man ändert sich ja doch im Laufe der Jahre und Ihre Kunden sowie die Unternehmen, bei denen Sie sich bewerben, sollen einen doch wiederkennen. Bis 20 Jahre empfehle ich jedoch, alle zwei Jahre das Foto zu wechseln.

Transparente Kleidung: Ja, Männer wie auch Frauen haben dieses Problem, besonders bei weißen Hemden und Blusen. Hier empfehle ich auf jeden Fall hautfarbene Unterwäsche zu tragen sowie einen hautfarbenen Body oder ein hautfarbenes Oberteil darunter. Bei Männern ist ein weißes T-Shirt eine gute Lösung, um “Durchblitzer” zu vermeiden. Auch zu tiefe Dekolletés oder viel nackte Haut sind zu vermeiden.

Unpassender Hintergrund: Der Hintergrund soll nicht vom Motiv ablenken. Es spricht nichts gegen einfarbige Hintergründe, jedoch wird man diese nicht auf meiner Webseite finden, da ich immer On-Location arbeite. Auch diese wolkigen Studiohintergründe, die eine Zeit lang im Trend waren, sind für mich ein No-Go.

Zu viel/zu wenig Make Up oder Retusche: Ich möchte, dass meine Kunden natürlich rüberkommen. Wer immer viel Make Up trägt und dazu sehr knalliges, dann passt das auch. Aber ansonsten gilt weniger ist mehr. Mein erstes Bewerbungsbild beim Fotografen war dermaßen weichgezeichnet im Gesicht, ich sah aus wie eine unechte Puppe. Das ist auf jeden Fall zu vermeiden. Natürlich mache ich Hautretusche und entferne kleine Makel oder mildere Falten ab, aber ich weigere mich das Bild so stark zu bearbeiten, dass der Mensch 20 Jahre jünger aussieht. Das ist nicht Sinn der Sache. Altern ist keine schlimme Sache und man sollte der Realität ins Auge sehen, auch wenn das hart klingt. Trotzdem lichte ich meine Kunden, ob jung oder ab, immer im besten Licht ab. Jeder Menschen ist schön und fotogen! Das garantiere ich. Doch auch das Make Up spielt eben eine wichtige Rolle, denn dieses hilft, dass manche Ungleichmäßigkeiten und Glanzstellen abgemildert und die einzelnen Vorzüge hervorgehoben werden.

Hier sorgt der Stuhl für eine lockere Körperhaltung und die Hände im Bild zeigen Vertrauen und Stärke. Der Stuhl sollte nicht im Vordergrund stehen, sondern er ist nur Beiwerk. Die seitliche Neigung lockert die Pose auf und zeigt Sympathie.

Unpassende Pose: Auch die Pose kann unpassend wirken. Sehr beliebt sind die verschränkten Arme. Auch sieht man diese oft bei meinen Bildern, denn sie wirken entschlossen und stark. Doch sollte hier darauf geachtet werden, dass die Haltung nicht zu abweisend wirkt. Hände Zeigen ist genauso wichtig wie das Lächeln, denn sonst wirkt es zu streng und abweisend. Die Arme in die Hüfte wirken locker und leichter, als sie einfach am Körper herunterhängen zu lassen. Ein Stuhl zum Sitzen passt auch ganz gut und lockert das Portrait auf. Gerne darf sich der Portraiterte auch mal an einer Wand anlehnen, was das eine oder andere Foto auflockert.

Wer sich umgekehrt auf den Stuhl setzt, kann sich auf der Lehne abstützen. Das wirkt sehr positiv und ist eine schöne Alternative zu stehenden Portraitaufnahmen. Hier ist auf eine lockere Haltung der Hände zu achten.

Was wie eine Floskel daherkommt, ist aber ebenso wichtig für Fotos: Brust raus, Bauch rein. Da lachen erst einmal alle, aber es macht viel aus. Die Schultern sollten etwas zurück gerichtet sein und der Oberköper gerade. Es fühlt sich komisch an, aber sieht sehr gut aus. Ich zeige meinen Kunden gerne einen Vorher/Nachher Vergleich und das gibt oft Aha-Momente und es fühlt sich auch nicht mehr so seltsam an.

Woher bekomme ich gute Businessfotos?

Sie kommen aus Karlsruhe oder Umgebung und benötigen individuelle Businessfotos oder Bewerbungsfotos? Dann sind Sie bei mir an genau der richtigen Stelle. Aber gerne reise ich auch für Ihre Fotos an, also fragen Sie ruhig nach. Außerdem biete ich Workshops zum Thema “Businessfotografie” an, wenn Sie es selbst erlernen möchten. Bisher nur Einzelcoachings auf Nachfrage.

Auch bei Fragen oder Anregungen habe ich immer ein offenes Ohr. Ich würde mich freuen, Sie ablichten zu dürfen.

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